Fürbitten für Verstorbene – Was sagt die Bibel dazu?

Wenn ein Mensch stirbt, fällt es oft schwer, Abschied zu nehmen. Wie gerne würde man dieser geliebten Person noch etwas Gutes tun! Diesem Menschen nur noch einmal die eigene Verbundenheit und Liebe ausdrücken!

Gebete für Verstorbene scheinen die Möglichkeit dazu zu geben, noch etwas für den anderen zu tun, vielleicht sogar zu dessen Erlösung beizutragen. Allerdings basiert diese Praxis nicht auf der Bibel. Diese betont, wie wichtig es ist, dass wir uns zu Lebzeiten für Gott entscheiden.

Fürbitte nur für Lebende

In der Bibel finden wir zwar Aufrufe, für andere Menschen zu beten (z. B. 1. Timotheus 2,1.2), aber diese Gebete gelten nie Personen, die schon verstorben sind. Grund dafür ist, dass die Autoren der Bibel daran glaubten, dass man nach seinem Tod wirklich tot ist, also in einem unbewussten, schlafähnlichen Zustand (Prediger 9,5.6). Eine Auferstehung wurde erst für den sogenannten Jüngsten Tag angenommen (Johannes 11,24), also den Tag des Gerichts am Ende der Zeit, wenn auch Jesus wiederkommt.

Die Vorstellung einer unsterblichen Seele, die direkt nach dem Tod weiterlebt, entwickelte sich erst im 3. Jahrhundert. Sie stammte ursprünglich aus der griechischen Philosophie (Osterloh Engelland, Biblisch-Theologisches Handwörterbuch, Göttingen, 1964, S. 626). Heute ist sie unter vielen Christen sehr verbreitet.

Mehr über das Thema unsterbliche Seele findest du in diesem Artikel: Hat der Mensch eine unsterbliche Seele?

Seelenmesse und der Feiertag Allerseelen

Im Jahr 593 n. Chr. wurde von Papst Gregor dem Großen die Seelenmesse eingeführt (auch Totenmesse oder Requiem). Durch diese Gottesdienste sollte nach katholischem Glauben das Leiden der Seelen im Fegefeuer erleichtert werden.

Das Fegefeuer ist angeblich eine Art Zwischenzustand zwischen Himmel und Hölle. Wer im Fegefeuer eine Zeit lang leidet (und damit seine Schuld abbüßt), kann nach volkstümlichem Glauben später doch noch in den Himmel kommen. Dabei sollen Seelenmessen und Ablässe helfen.

Ein besonderer Feiertag, an dem für Verstorbene gebetet wird, ist Allerseelen (am 2. November). An diesem Tag werden auch Ablässe erworben, damit die Verstorbenen von ihren Sünden befreit werden. Mehr zum Fest Allerseelen findest du hier: Allerseelen: Totenkult im christlichen Gewand?

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Von evangelischen Christen abgelehnt

Die Kirche begründete die Tradition des Gebets für Verstorbene mit zwei Versen aus dem apokryphen Buch der Makkabäer (2. Makkabäer 12,44.45). Die meisten nicht-katholischen Christen halten dieses Buch für nicht von Gott inspiriert und daher auch nicht maßgeblich.

Grundlage der Gebete für Tote ist die Ansicht, dass der Mensch nach seinem Sterben nicht wirklich tot sei. Diese Ansicht wurde von führenden evangelischen Gelehrten abgelehnt. Martin Luther betrachtete sie als „Menschenträume und Teufelslehre“, die die „Christuslehre mit Füßen tritt und vertilget” (Martin Luther, Assertio omnium articolorum, deutsche Ausgabe, 1520).

Auch der reformierte Theologe Karl Barth bezeichnete die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele als heidnische Vorstellung, die nicht der christlichen Hoffnung entspreche (Karl Barth, Dogmatik im Grundriss, Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1947, S. 180). Übernehmen Evangelische die katholische Tradition der Fürbitte für Verstorbene, widersprechen sie damit dem, was Luther und andere als biblische Lehre erkannten.

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Biblische Sichtweise

Die Bibel ist in dieser Frage eindeutig: Gott allein hat Unsterblichkeit (1. Timotheus 6,16), der gläubige Mensch erhält sie erst bei der Wiederkunft Jesu und der Auferstehung der Toten (1. Korinther 15,51-55). Wenn er stirbt, enden auch alle seine geistigen und emotionalen Funktionen. Er hat damit keinen Einfluss mehr auf die Ereignisse dieser Welt (Prediger 9,5-6.10).

Paulus schreibt sogar, dass Verstorbene „nicht sind“, aber Gott ruft sie wieder ins Dasein zurück (Römer 4,17). In der Zwischenzeit liegen sie im Grab (Johannes 5,28.29). Ihr Zustand wird auch mit einem Schlaf verglichen (Daniel 12,1.2; Johannes 11,11.14).

Man kommt also nicht sofort nach dem Tod in den Himmel oder in die Hölle. Mehr dazu, siehe hier: Kommt man nach dem Tod sofort ins Paradies? oder hier: Wann kommen die Gläubigen in den Himmel?

Auch der Glaube an eine ewig andauernde Höllenqual als Strafe für die Gottlosen ist aus der Bibel nicht zu belegen. Mehr dazu siehe hier: Lässt Gott Menschen in einer Hölle ewig leiden?

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Dieses Leben entscheidet über unser ewiges Schicksal

Entscheidung

Ewiges Leben oder ewiger Tod bleiben unsere eigene Entscheidung, auf die andere nach unserem Sterben keinen Einfluss haben.

Bis zum letzten Atemzug haben Menschen die Möglichkeit, sich Gott zuzuwenden. Es wird sicher einige geben, die erst ganz zuletzt ihr Leben Jesus übergeben – vielleicht sogar, ohne dass die Angehörigen überhaupt davon wissen. Mit diesen Menschen werden wir ein Wiedersehen erleben.

Nach dem Tod gibt es aber keine Möglichkeit mehr, sich zu bekehren. Im Gegenteil, nach unserem Sterben kommt das Gericht (Hebräer 9,27). Deswegen sollen wir heute auf Gottes Stimme hören, solange wir noch alle unsere Geisteskräfte haben (Hebräer 3,7.8). Der Mensch wird von Gott nach dem beurteilt, wie er sein Leben geführt hat (Offenbarung 20,12).

Auch das Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus unterstreicht dies. Mehr dazu hier: Kommt nach dem Tod gleich Himmel oder Hölle?

Glaubt jemand an Jesus als seinen Erlöser, wird er im Gericht nicht verurteilt. Glaubt er nicht, ist er praktisch schon gerichtet, weil er sich damit gegen das ewige Leben entschieden hat, das Gott uns durch Jesus schenken will (Johannes 3,18). Kein Opfer, das wir bringen, und damit auch kein Gebet, kann einen anderen Menschen erlösen (Psalm 49,8.9). Jesus ist der einzige Weg, auf dem wir zu Gott kommen. Ewiges Leben oder ewiger Tod bleiben damit unsere eigene Entscheidung, auf die andere keinen Einfluss haben.

Fazit

Jeder Mensch entscheidet selbst während seiner Lebenszeit darüber, ob er Jesus und das Angebot der Erlösung annehmen möchte oder nicht. Im Tod ist der Mensch in einem unbewussten Zustand, den die Bibel mit einem Schlaf vergleicht. Dort kann man keine Entscheidungen mehr treffen. Es ist deshalb wichtig, dass wir Menschen jetzt schon dazu ermutigen, sich für den Glauben zu öffnen und ihnen unsere Liebe und Unterstützung jetzt schon zukommen lassen.

Zum Nachdenken

  • Die Bibel mahnt dazu, seine Lebenszeit gut zu nutzen und seine Entscheidung für Gott nicht auf die lange Bank zu schieben. Was bedeutet das für mich praktisch?
  • Inwiefern widerspricht der Gedanke, ich könnte durch meine guten Taten einem Verstorbenen etwas Gutes tun, der biblischen Lehre, dass wir durch Gottes Gnade und den Glauben errettet werden, nicht durch Werke?
  • Der Tod wird in der Bibel mit einem Schlaf verglichen. Wir schlafen, bis Jesus wiederkommt und uns aufweckt. Inwiefern hätte ein Gebet für diejenigen, die entschlafen sind, überhaupt einen Sinn?

 


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