Wie passt das Alte Testament zum liebenden Gott?

Hesekiel 18,23 Meinst du, dass ich Gefallen habe am Tode des Gottlosen, spricht Gott der HERR, und nicht vielmehr daran, dass er sich bekehrt von seinen Wegen und am Leben bleibt? · Luther
Jesaja 5,4-7 Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte? Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will! Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er kahl gefressen werde, und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde. Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen. Des HERRN Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit · Luther

Derselbe Gott in der ganzen Bibel

Manche Christen meinen, das Alte Testament zeige einen strafenden Richtergott und das Neue Testament den liebenden Erlösergott. In Wirklichkeit klafft zwischen beiden Teilen der Bibel kein tiefer Graben. Deshalb finden wir im Neuen Testament Texte wie: „Schrecklich ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen“ (Hebräer 10,31), während wir im Alten Testament lesen: „Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte“ (Jeremia 31,3). Berichte von sofortigen Strafgerichten finden wir auch im Neuen Testament (Apostelgeschichte 5). Das Gebot von der Nächstenliebe stammt aus dem Alten Testament (3. Mose 19,18.34), und auch die Feindesliebe finden wir dort (vgl. Sprüche 25, 21).

Gottes Erlösungsplan auch im AT

Gottes Erlösungsplan wird auch in den Schriften des Alten Testamentes ausführlich dargestellt, besonders im Tempeldienst und den israelitischen Jahresfesten. Wer das Alte Testament beiseitelegt, wird Gottes Handeln und Gottes Willen im Neuen Testament nicht wirklich verstehen. Das wussten die ersten Christen. Deshalb studierten sie immer wieder die Bücher Moses und die Propheten. Das war ihre Bibel, denn das Neue Testament entstand zu ihrer Zeit erst.

Gottes Gerechtigkeit ist Ausdruck seiner Liebe zu uns. Um eine neue Welt schaffen zu können, muss er das Böse ein für alle Mal vernichten. So wurde auch den damaligen Völkern durch Propheten Erlösung, aber auch Gericht angekündigt.

Gottesbild

Oft versuchen wir, Gott nach unseren eigenen Wunschvorstellungen zu gestalten. Weil wir jedoch über ihn nur das wissen können, was er uns offenbart hat, müssen wir uns nach den Aussagen der Bibel richten. In ihr wird Gott – sowohl im Neuen als auch im Alten Testament – als liebender Vater beschrieben, der alles einsetzt, um unsere Liebe und unser Vertrauen zu gewinnen. Er ist ein barmherziger und gnädiger Gott, der unsere Schwächen versteht und unsere Schuld vergibt (Nehemia 9,31; Psalm 103,1-13).

Gott ist aber auch Gerechtigkeit (Psalm 103,6), deshalb hält er Gericht (z. B. in der Sintflut). Was durch die Sünde zerstört wurde, stellt Gott im Gericht wieder her. Er stellt richtig und bringt Dinge „zu Recht“. Auch Gottes Gerechtigkeit ist Ausdruck seiner Liebe zu uns. Um eine neue Welt schaffen zu können, muss er nämlich das Böse ein für alle Mal vernichten. Es ist wie eine tödliche Viruserkrankung, von der die Welt verseucht wird. Deshalb bietet Gott uns ein „Heilmittel“ an: Erlösung durch Jesus Christus. Wer es ablehnt, ist weiter „Virusträger“ und wird daran sterben. So wurde auch den damaligen Völkern durch Propheten Erlösung, aber auch Gericht angekündigt (vgl. Jona 1,2; 3,10).

Gericht – Gottes letztes Mittel

Gericht ist aber das letzte Mittel, das Gott anwendet. Es ist nötig, um das Böse für immer aus der Welt zu schaffen. Manchmal hat er Menschen für seine Gerichte an Menschen benutzt, z. B. wenn die Israeliten in Gottes Auftrag Krieg gegen bestimmte Völker führen sollten. Manchmal hat er selbst eingegriffen. Doch nachdem Jesus auf die Erde gekommen ist, hat er sein Gericht grundsätzlich auf das Ende der Welt gelegt und es Jesus übergeben. So ist unser Erlöser am Ende auch unser Richter.

Der alttestamentliche Text in Hesekiel 33,11 vereint Erlösung und Gericht: Gott möchte vom Tod retten, weil er die Menschen liebt. Aber sie lehnen sein Angebot ab. Deshalb ruft er ihnen zu: „Kehrt doch um! Warum wollt ihr sterben, ihr Menschen?“

Fazit

Die Bibel präsentiert in Altem und Neuem Testament einen Gott der Liebe und der Gerechtigkeit. Gott möchte die Menschen retten, er zeigt aber auch Grenzen auf und greift an, wenn seine Grundsätze mit Füßen getreten werden. Durch die Betrachtung der ganzen Bibel können wir zu einem ausgewogenen Gottesbild kommen.


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Alternative Formulierungen der Frage

  • Warum richtet Gott die Menschen?
  • Wie kann ein liebender Gott Gericht üben?
  • Wie passt Gericht zur Liebe Gottes?
  • Warum ist Gott im Alten Testament so grausam?
  • Beschreibt das Alte Testament einen bösen Gott?
  • Wird im Alten Testament ein anderer Gott gezeigt?
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