Sex vor der Ehe: Was sagt die Bibel dazu?

1. Mose 2,24 · LUT Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden sein ein Fleisch.

Die Paarbeziehung ist eine der größten Sehnsüchte des Menschen, und Sexualität ist ein starker gottgegebener Trieb. Da sich zwei Menschen in der Sexualität auf besondere Weise miteinander verbinden – nicht nur körperlich –, ist die sexuelle Begegnung mit einer großen Verantwortung verbunden. Gott will, dass Sexualität nur innerhalb eines sicheren Rahmens mit der größtmöglichen Verbindlichkeit stattfindet – der Ehe.

Sexualität in unserer Kultur

In unserer Gesellschaft wird es als normal angesehen, dass unverheiratete Personen miteinander schlafen. Vom Jugendalter an haben Menschen Sex, und das meist nicht nur mit der Person, die sie später einmal heiraten. Sex gilt als Grundbedürfnis, das befriedigt werden muss, selbst wenn man noch keinen festen Partner fürs Leben gefunden hat.

In Beziehungen ist es vielen sehr wichtig, schon sehr früh festzustellen, ob man sexuell kompatibel ist. Erst wenn man eine Zeitlang erfolgreich zusammengelebt hat, wird eine Ehe überhaupt in Erwägung gezogen.

Dabei ist auch eine Eheschließung optional geworden. Ein Zusammenleben ohne Trauschein ist inzwischen genauso anerkannt und weit verbreitet. Die Ehe ist für manche eine schöne romantische Geste, andere betrachten sie eher als das „Ende der Liebe“, weil man sich nun auf eine Person festlegen muss und damit ein großes Risiko eingeht, z. B. das einer teuren Scheidung.

Der Ursprung der Ehe

Vor diesem Hintergrund erscheinen manchen die biblischen Vorstellungen von Ehe und Sexualität altmodisch und weltfremd. In der Bibel wird Sexualität aber ein großer Wert beigemessen. Sie dient nicht nur dem Zeitvertreib oder persönlichen Lustgewinn, sondern ist mit Verantwortung und Treue verbunden (Sprüche 5,15-20). Sie kann ihr volles Potential am besten entfalten, wenn sie in einem geschützten Rahmen steht.

Die Ehe wurde schon im Paradies von Gott eingesetzt. In 1. Mose 2,24 finden sich drei Kennzeichen einer Ehe:

  • die Eltern verlassen (Trennung von der elterlichen Familie, um eine eigene zu gründen)
  • seiner Frau anhangen (offizielle Verbindung eingehen, Liebe und Treue)
  • ein Fleisch sein (sexuelle Vereinigung)

Beachtenswert hier ist: die sexuelle Verbindung steht nicht am Anfang, sondern folgt auf die Abnabelung vom Elternhaus und den öffentlichen Bundesschluss.

In Matthäus 19,4-6 nimmt Jesus auf diesen Text Bezug. Er macht deutlich, dass sich Gottes Absichten für die Ehe nicht verändert haben, sondern auch für seine Nachfolger weiterhin gültig sind.

Die Ehe als Bund

Auch wenn sich die genauen Rituale der Eheschließung je nach Kultur und Zeit unterscheiden, gehört zur Ehe immer ein offizieller Bundesschluss vor Zeugen.

Info

Die Bibel kennt eine öffentlich-rechtliche Eheschließung, die aber in ihrer Form und Durchführung je nach Kulturkreis und Zeit unterschiedlich sein kann.

Bei Isaak und Rebekka wurde z. B. für Rebekka ein Brautpreis gegeben und mit der Familie verhandelt, bevor Isaak sie in das Zelt seiner Mutter führt und zur Frau nimmt (1. Mose 24,50-60.67). Auch in Hesekiel 16,7.8 wirbt Gott um seine Braut (Israel) und schließt mit ihr einen Bund. Im Buch Maleachi klagt Gott die Israeliten dafür an, dass einige „der Frau ihrer Jugend“ untreu geworden sind, mit denen sie „einen Bund geschlossen“ hatten (Maleachi 2,14).

Hochzeitsbräuche zur Zeit der Bibel

Zur Zeit der Bibel wurden Hochzeiten meist von den Familien arrangiert. Wollte ein Jugendlicher heiraten, bat er seine Eltern, für ihn um das Mädchen zu werben (Richter 14,1.2). Waren deren Angehörige einverstanden, wurde ein Brautpreis festgelegt und zumindest in manchen Fällen das Mädchen um Einwilligung gefragt (1. Mose 24,58). Damit war das Paar verlobt.

Am Tag der Hochzeit ging der Bräutigam mit seinen Freunden zum Haus der Schwiegereltern und führte sie zum Haus seiner Eltern. Die Hochzeitsgäste schlossen sich ihnen unterwegs an (Matthäus 25,1-10). Die Feierlichkeiten dauerten bis zu sieben Tage. In der Hochzeitsnacht diente der Mantel der Frau als Bettlaken (Leintuch). Er wurde von den Brauteltern als Zeichen der Jungfräulichkeit ihrer Tochter aufbewahrt (5. Mose 22,13-21).

Vorehelicher Sex im Alten Testament

Etliche Beispiele zeigen, dass vorehelicher Geschlechtsverkehr in Israel nicht geduldet wurde (1. Mose 34,7.31; 2. Samuel 13,11-16). Er galt als Unzucht und Hurerei. Die Gesetze zur Ehe, die in den fünf Mosebüchern enthalten sind, teilen dieses Verständnis (z. B. 5. Mose 22,13-28). Jakob diente seinem Schwiegervater Laban sieben Jahre für dessen Tochter Rahel (als Brautpreis). Erst danach wollte er „zu ihr gehen“, also die Ehe vollziehen (1. Mose 29,20.21).

Wer mit einem Mädchen schlief, das noch nicht verlobt war, musste es auch heiraten (2. Mose 22,15; 5. Mose 22,28.29). Dennoch war der Geschlechtsverkehr nicht gleichbedeutend mit der offiziellen Eheschließung. Der Vater konnte die Ehe auch verweigern, wenn er seine Tochter diesem Mann nicht geben wollte (1. Mose 34; 2. Mose 22,16).

Vorehelicher Sex im Neuen Testament

Auch im Neuen Testament wird vorausgesetzt, dass man nicht vor der Ehe sexuell aktiv miteinander ist (Matthäus 1,18.19). Das Zusammenleben ohne öffentliche Trauung ist für Jesus keine Ehe (Johannes 4,18).

Jesus und Paulus zeigen zwei mögliche Lebensmodelle auf: Entweder man heiratet und ist sexuell aktiv oder man bleibt Single und lebt sexuell enthaltsam (1. Korinther 7,2.8.9; Matthäus 19,10-12. Eunuchen sind hier im übertragenden Sinne zu verstehen). Jesus und Paulus haben selbst das Modell der Enthaltsamkeit vorgelebt.

Auch den Bildern, die die Bibel gebraucht, liegt dieses Verständnis zugrunde: Die Gemeinde wird als Braut Christi bezeichnet. In diesem Zusammenhang spricht Paulus von einer „reinen Jungfrau“, die er mit Christus verlobt hat und ihm sozusagen als „Brautführer“ zuführt (2. Korinther 11,2).

Unzucht und Ehebruch

Sex vor und außerhalb der Ehe wird in der Bibel nicht gutgeheißen. Dabei ist es interessant, dass sie zwei Vergehen voneinander unterscheidet, die oft miteinander verwechselt werden: Unzucht und Ehebruch (Hebräer 13,4; Galater 5,19-21; 1. Korinther 6,9-11).

Unzucht (oder Hurerei) geht auf das griechische Wort porneia zurück. Dieses Wort ist heute noch im Begriff Pornografie enthalten. Zur Zeit der Bibel meinte man damit jede Art von sexueller Unmoral, z. B. Sex vor und außerhalb der Ehe, inzestuöse Beziehungen, ausgelebte Homosexualität, Sodomie u. Ä.

Ehebruch (griechisch moicheia) ist eine spezielle Form von Unzucht. Von Ehebruch kann nur die Rede sein, wenn einer der Sexualpartner mit einer anderen Person verheiratet ist.

Wertschätzung

Die Gebote zeugen von einer besonders hohen Wertschätzung von Sex. Er soll etwas Besonderes und Heiliges sein, das man nur mit dem Menschen teilt, mit dem man auch einen Bund eingeht.

Manche sehen in vorehelichem Sex kein Problem, da ja meist keine Ehe gebrochen wird. Damit wird aber übersehen, dass die Bibel nicht nur gegen Ehebruch spricht, sondern gegen jeden Sex, der nicht innerhalb des Rahmens der Ehe stattfindet, eben gegen Unzucht. Vorehelicher Sex kann außerdem als ein Unrecht an einem eventuellen zukünftigen Ehepartner gesehen werden.

Ist die Bibel verklemmt?

Ist die Bibel lustfeindlich? Ein Spielverderber? Manche sehen in den Vorgaben der Bibel eine Abwertung der Sexualität (weil sie eben nicht von allen und in allen Beziehungen praktiziert werden darf). Tatsächlich zeugen die Gebote aber von einer besonders hohen Wertschätzung von Sex. Er soll etwas Besonderes und Heiliges sein, das man nur mit dem Menschen teilt, mit dem man auch einen Bund eingeht. Wer die Bibel liest, merkt, dass sie überraschend offen mit Sexualität umgeht (z. B. das Buch Hohelied, das erotische Liebe beschreibt).

Sex wird aber in den Schutzrahmen der Ehe gestellt, in dem sich beide Partner verbindlich und lebenslang einander versprechen. Die Hochzeitsfeier ist dadurch nicht nur eine romantische Zeremonie für diejenigen, die ohnehin schon miteinander leben, sondern markiert tatsächlich einen Meilenstein in der Beziehung.

Auswirkungen der sexuellen Revolution

Die sexuelle Freizügigkeit unserer Zeit wird oft als Fortschritt und Befreiung betrachtet. Sicher gibt es auch Entwicklungen, die wir alle begrüßen, z. B. dass man seinen Ehepartner frei wählen kann und dass Frauen mehr Rechte haben als früher. Dass Sex und Ehe voneinander losgelöst worden sind, hat aber auch Schattenseiten, die besonders Frauen benachteiligen.

Während junge Frauen ursprünglich unter einem gewissen Schutz standen und von einem Verehrer erwarten konnten, dass er sich – wenn er ernsthaft interessiert ist – mit allen Konsequenzen für sie entscheidet (also eine Ehe eingeht), stehen sie heute unter dem gesellschaftlichen Druck, sich ohne jede Sicherheit für die Zukunft sexuell zu öffnen. Sie stehen verstärkt in der Gefahr, ausgenutzt zu werden.

Durch die sexuelle Verbindung entstehen starke Gefühle. Gott hat Sexualität dafür geschaffen, Ehepartner ganzheitlich miteinander zu verbinden – emotional, körperlich und spirituell. Sexualität nur aus Spaß wird diesem Zweck nicht gerecht. Es bleiben oft Enttäuschung und Verletzung zurück, die mit weiteren sexuellen Erfahrungen kompensiert werden. Es findet eine Abstumpfung statt und letztlich eine Entwertung von Sex.

Frauen tragen das Risiko

Da bei Frauen der Bindungsaspekt von Sex oft stärker erlebt wird, sind sie eher benachteiligt. Man hört manchmal: „Frauen geben Sex, um Liebe zu bekommen – Männer geben Liebe, um Sex zu bekommen“. Männer können heute ihr hormonell bedingt oft starkes sexuelles Interesse schon in einem Alter ausleben, in dem sie noch nicht dazu in der Lage sind, eine Ehebeziehung mit all ihrer Verantwortung einzugehen. Frauen tragen aber nicht nur emotional, sondern auch in Bezug auf eine mögliche ungewollte Schwangerschaft ein größeres Risiko.

Die Vorzüge einer Ehe in Anspruch zu nehmen, ohne sich zu einem Bund zu verpflichten, kommt Menschen entgegen, die sich nicht festlegen möchten. Sie setzt die Hürde herab, dass sich einer von beiden seiner Verantwortung wieder entzieht und einen neuen Partner sucht. Statistisch gesehen sind Frauen hier häufiger die Leidtragenden, wenn sich Männer z. B. nach längerer Partnerschaft noch einmal eine jüngere, vermeintlich attraktivere Partnerin suchen.

Ist das lebbar?

Angesichts der dominierenden gesellschaftlichen Erwartung, dass man jung sexuell aktiv wird und viel ausprobiert, fragen sich viele: Ist die biblische Herangehensweise an Sex heute überhaupt noch lebbar? Ist es realistisch, eine Zeitlang oder sogar sein Leben lang, enthaltsam zu sein?

Viele Christen aus allen Epochen würden darauf antworten: Ja, es ist möglich. Vielleicht ist es nicht immer leicht, aber es lohnt sich. Es gibt auch heute noch viele Menschen, die diese Werte mit Überzeugung leben. Wichtig ist dabei: Es geht bei Enthaltsamkeit nicht darum, einem bloßen Prinzip gehorsam zu sein. Sie ist kein Selbstzweck, um besonders „heilig“ zu sein. Christen leben ihr Leben in einer lebendigen Beziehung zu Jesus, der das Beste für sie möchte. Das ist die entscheidende Motivation. Aus der Beziehung zu Jesus schöpfen sie die Kraft, zu warten oder zu verzichten. Sie vertrauen ihm, im Wissen, dass ihnen nichts entgeht, sondern sie letztlich nur gewinnen.

Motivierend ist sicher auch, dass man die Schönheit des göttlichen Plans erkennt. Unsere Kultur zieht sexuelle Zurückhaltung ins Lächerliche. Diese Herangehensweise führt aber langfristig gesehen nicht zu erfolgreicheren Beziehungen.

Christen stellen sich hier gegen die vorherrschende Kultur. Sich ganz auf einen Partner einzulassen, ohne befürchten zu müssen, mit irgendwelchen Vorgängern verglichen zu werden, die hohe Wertschätzung, die dadurch füreinander zum Ausdruck kommt, dass man aufeinander wartet usw. können eine Beziehung enorm bereichern.

Verzicht nicht krankhaft

Immer wieder wird uns heute suggeriert, dass Sex ein menschliches Grundbedürfnis ist, das ausgelebt werden muss. Ein Verzicht darauf gilt als krankhaft und unnatürlich. Wer noch keine sexuellen Erfahrungen hat, gilt als zurückgeblieben und noch nicht erwachsen geworden…

Dieses Verständnis teilt die Bibel nicht. Auch ein enthaltsamer Mensch ist ein vollwertiger Mensch und kann glücklich leben. Jesus wurde ganz Mensch, obwohl er keinen Sex hatte. Sex ist wichtig und gut, aber er ist nicht definierend für das Menschsein. Die Option zu heiraten besteht, aber sie ist nicht die einzige Möglichkeit (1. Korinther 7,8.9).

Auch hier ist der christliche Glaube ein wohltuender Gegenakzent in einer Kultur, die Sex zum Nonplusultra für ein glückliches Leben erklärt hat und sich in ungesunder Weise darauf fixiert.

Vergebung und Neuanfang ist möglich

Die Bibel schildert Ideale über Ehe und Sexualität, aber sie kennt auch die Wirklichkeit einer in Sünde gefallenen Welt. Sie ist auch für Menschen geschrieben, die bisher nicht nach Gottes Vorstellungen gelebt haben oder damit ringen, wie sie sexuell enthaltsam sein können. Insbesondere bei gewissen Vorerfahrungen oder Kontakt zu Pornografie fällt das vielen schwer.

Sexuelle Sünden sind nicht gravierender als viele andere Sünden, auch wenn sie manchmal besonders an den Pranger gestellt werden oder auch besonders schmerzliche Folgen haben können. Wer seine Sexualität außerhalb von Gottes Plänen und Idealen ausgelebt hat, kann und wird dafür Vergebung empfangen, wenn er oder sie darum bittet (1. Korinther 6,9-11; man achte auf Vers 11!).

Mit Gottes Hilfe ist es möglich, einen neuen Weg einzuschlagen. Dafür ist es oft empfehlenswert, sich die Hilfe von anderen Christen oder einem Seelsorger zu suchen. Wer sein Leben nach den biblischen Idealen ausrichtet, erhöht die Chance auf eine glücklichere Ehebeziehung und eine erfüllende Sexualität.

Fazit

Die Bibel misst der Sexualität große Bedeutung bei und sieht sie als Segen und Geschenk Gottes. Sie wird aber in den Rahmen der Ehe gestellt. Sex vor und neben der Ehe gilt als Unzucht und damit als Sünde.

Die biblischen Prinzipien zum Thema erscheinen manchen zwar einschränkend, dienen eigentlich dem Glück der Partner, die dadurch vor Ausgenutzt- und Verlassenwerden geschützt werden.

Zum Nachdenken

  • Wie haben sich die Moralvorstellungen in der Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten entwickelt, wenn es um vorehelichen Sex geht? Welche Folgen hat das für den/die einzelnen?
  • Inwiefern sind die Gebote Gottes nicht nur Einschränkung, sondern auch Befreiung und Schutz für uns?
  • Warum kann erfüllende Sexualität am besten im Rahmen einer verbindlichen Ehebeziehung erlebt werden?


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