Psalm 139 – Gott kennt mich

Geborgenheit bei Gott finden. Bei einem Gott, der mich durch und durch kennt und versteht, der mich geschaffen hat und mich leitet, der immer da ist… Wohl kaum ein Psalm drückt diese Zuversicht schöner und poetischer aus als Psalm 139.

Wir wollen die einzelnen Abschnitte dieses Psalms gemeinsam lesen, um daraus Kraft und Mut zu schöpfen. Bist du bereit?

Du verstehst mich

Psalm 139,1-6 Ein Psalm Davids, vorzusingen. HERR, du erforschest mich und kennest mich. (2) Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. (3) Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege. (4) Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht alles wüsstest. (5) Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. (6) Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.

Eine der tiefsten Sehnsüchte unseres Lebens ist die nach einer tiefen, erfüllenden Beziehung. Wir wünschen uns, im Innersten gekannt, erkannt und geliebt zu werden. Wir wollen ein Gegenüber, das uns wirklich versteht.

Unvollkommen

Menschliche Beziehungen – so bereichernd und wichtig sie sind – können uns nie völlig erfüllen.

Menschliche Beziehungen – so bereichernd und wichtig sie sind – können uns nie völlig erfüllen. Es wird immer Momente geben, in denen wir uns unverstanden fühlen, oder in denen die Liebe des anderen an Grenzen stößt. Bei Gott ist das anders. Er ist allwissend und allmächtig, aber auch zutiefst an mir interessiert. Er kennt mich sogar besser als ich mich selbst. Trotz meiner Fehler und schlechten Eigenschaften wendet er sich nicht von mir ab.

Du schützt mich

In Psalm 139 lese ich das Versprechen, dass Gott immer in meiner Nähe bleibt und mich schützt. Das gibt mir Geborgenheit. Er hält seine Hand über mir, sodass mir nichts und niemand nachhaltig etwas anhaben kann.

Dabei bleibt mir diese große Liebe und Fürsorge doch ein Stück weit unbegreiflich. Warum macht Gott das, wo ich doch nur ein Staubkorn in seinem Universum bin? Womit habe ich das verdient? Warum bin ich dir so viel wert, lieber Gott? Diese Erkenntnis ist mir „zu hoch“ und unbegreiflich!

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Du findest mich überall

Nähe zu Gott

Obwohl wir uns Gottes Nähe wünschen, macht sie uns manchmal vielleicht auch Angst.

Obwohl wir uns Gottes Nähe wünschen, macht sie uns manchmal vielleicht auch Angst. Ist ER nicht der allmächtige große Gott? Der Richter? Der Heilige? Dass er mich bis ins Innerste durchschaut – will ich das überhaupt? Ich suche doch auch meine Freiheit. Selbstbestimmung. Unabhängigkeit. Macht mich diese Nähe nicht verwundbar?

Vielleicht waren es solche Gedanken, die David zu den folgenden Versen bewegt haben.

Psalm 139,7-12 Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht? (8) Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da. (9) Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, (10) so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten. (11) Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein –, (12) so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht.

Und doch: Gott ist überall. Ich brauche mich vor ihm nicht zu verstecken, sondern ich kann aus der Deckung hervortreten in sein Licht. Er führt mich und hält mich (Psalm 139,10). Er ist keine Bedrohung für mich, sondern ich darf mich ihm ganz anvertrauen.

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Du hast mich geschaffen

Psalm 139,13-18 Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe. (14) Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. (15) Es war dir mein Gebein nicht verborgen, / da ich im Verborgenen gemacht wurde, da ich gebildet wurde unten in der Erde. (16) Deine Augen sahen mich, da ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war. (17) Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß! (18) Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand: Wenn ich aufwache, bin ich noch immer bei dir.

Gottes Liebe zu mir hat eine Vorgeschichte. Er hat mich geschaffen und ausgedacht. Ich bin kein Produkt des Zufalls, sondern von ihm so gewollt. Mit Freude sah er auf meine Entstehung im Mutterleib. Egal, wie viele Schwächen und Begrenzungen ich habe, Gott hat mich gut, ja wunderbar, gemacht! Nichts gibt mir so viel Wert wie das, was ER in mir sieht.

Wertvoll

Egal, wie viele Schwächen und Begrenzungen ich habe, Gott hat mich gut, ja wunderbar, gemacht! Nichts gibt mir so viel Wert wie das, was ER in mir sieht.

Gott sieht die Tage meines Lebens vor sich – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Er weiß, was mir widerfahren wird. Nichts kann ihn überraschen. Nichts trifft ihn unvorbereitet. Ich darf darauf vertrauen, dass er einen weisen Plan hat und mir in jeder Lage helfen kann. Seine Gedanken sind weit über meinem Fassungsvermögen. Aber vielleicht muss ich auch nicht alles verstehen. Das Wichtigste ist: ER ist da!

Du hörst mir zu

Psalm 139, eine Idylle voller Perlen der Ermutigung und des Trostes … Doch dabei bleibt es nicht. Gegen Ende wird der Gedankengang jäh unterbrochen:

Psalm 139,19-22 Ach, Gott, wolltest du doch den Frevler töten! Dass doch die Blutgierigen von mir wichen! (20) Denn voller Tücke reden sie von dir, und deine Feinde erheben sich ohne Ursache. (21) Sollte ich nicht hassen, HERR, die dich hassen, und verabscheuen, die sich gegen dich erheben? (22) Ich hasse sie mit ganzem Ernst; sie sind mir zu Feinden geworden.

Was für ein Missklang! Was haben solche erbitterten Worte in einem „himmlischen“ Psalm wie diesem zu suchen? Hätte David sich das nicht „verkneifen“ können? Wollen wir diese Verse nicht einfach auslassen?

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Du kämpfst für mich

Schonungslos

David legt Gott seine Gefühle, seine innere Unruhe, seinen Zorn, sein Aufgewühlt-Sein vor.

Gottes Beistand und Fürsorge für mich sind nicht auf die guten Tage begrenzt. Als Menschen leiden wir manchmal unter Anfeindungen, Verleumdung, Verfolgung, Gewalt und himmelschreiender Ungerechtigkeit. David erlebte das so. Er legt seine Gefühle, seine innere Unruhe, seinen Zorn, sein Aufgewühlt-Sein Gott vor.

Diese Möglichkeit, Gott all das zu sagen, macht frei. David verzichtet darauf, sich selbst durch Gewalt und Rache Recht zu schaffen und bittet Gott stattdessen um sein Eingreifen. Jetzt kann David seinen Feinden ruhig und souverän begegnen.

Wie gut tut es auch mir, wenn ich nicht an erlittenem Unrecht verbittere, sondern es vor Gott bringen kann! Ich darf darauf vertrauen, dass er für mich eintritt und mir zu seiner Zeit Recht verschafft.

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Du prüfst mich

Der Psalm schließt mit einer Bitte, die unser tägliches Gebet werden könnte:

Psalm 139,23.24 Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine. (24) Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.

David ist bereit, seine heftigen Gefühle zu hinterfragen: „Herr, sind meine Gedanken egoistisch? Ist mein Zorn berechtigt oder übertrieben und fehlgeleitet? Geht es mir vielleicht nur um mich?“

Ich bin auch auf einem Weg. Ist das ein guter, „ewiger Weg“ oder ein „böser Weg“? Führt er mich zum Ziel? Welche Motive habe ich? Gott sei Dank: Du kennst mich ganz genau, Herr. Wenn ich mich von dir durchleuchten lasse, werde ich den richtigen Weg finden.

Psalm 139 noch mal auf einen Blick

Psalm 139 führt mir Gottes großartige Eigenschaft der Allwissenheit und Allgegenwart vor Augen. Er motiviert mich zu einer noch größeren Ehrlichkeit vor Gott, der mich kennt und versteht. Er zeigt mir, dass Gott nicht gegen, sondern für mich ist, und dass ich ihm vertrauen kann.

Er endet mit der Bitte um göttliche Leitung und regt mich an, meine Motive genauer zu reflektieren, bittere Gefühle loszulassen und Gottes Leitung in Anspruch zu nehmen.

Ich wünsche dir, dass du Gott genauso persönlich begegnest wie der Psalmschreiber David. Du kannst alles mit Gott teilen – Freude, Zweifel, Hassgefühle. Er bleibt da. Aber er wird dich verändern. Im Gebet kann Gott dir seinen Frieden und neue Impulse schenken.

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Psalmen haben in der Musikgeschichte eine große Rolle gespielt und wurden oft vertont. Hier findest du einige Beispiele:


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